Pressemitteilung: Düsseldorfer war Kontaktmann zum rechtsterroristischen NSU?

Pressemitteilung vom 25. Januar 2012

Düsseldorfer war Kontaktmann zum rechtsterroristischen NSU?

Antifa fordert Aufklärung

Durch einen „Spiegel“-Bericht wurde der Öffentlichkeit Anfang Januar
2012 bekannt, dass es um die Jahrtausendwende einen weiteren Kontaktmann
zur neonazistischen Untergrundzelle NSU gegeben haben könnte: Carsten
S., zwischenzeitlich nicht mehr in der Neonazi-Szene aktiver
Kader des „Thüringer Heimatschutzes“ (THS) und ehemaliger
stellvertretender Landesvorsitzender der NPD-Jugendorganisation „Junge
Nationaldemokraten“ (JN) aus Jena, später Düsseldorf.
Die aktuellen Enthüllungen werfen Fragen auf, die von S.
beantwortet werden müssen.

Offenbar lag dem „Spiegel“ (Ausgabe 1/2012) exklusiv ein geheimer und
der Öffentlichkeit erst in 30 Jahren zugänglicher Bericht des
Bundesamtes für Verfassungsschutzes vor. Dieser Bericht ging Ende 2011
an die Bundes- und Länderregierung(en) sowie das Parlamentarische
Kontrollgremium des Bundestages und wurde offenbar gezielt und exklusiv
dem „Spiegel“ zugespielt. Aus den Angaben des „Spiegels“ geht hervor,
dass S. dem damaligen THS-Führer und gleichzeitig als V-Mann des
thüringischen Verfassungsschutzes tätigen Tino Brandt am 13. März 1999
mitgeteilt habe, dass nun er (S.) den Kontakt zu Böhnhardt,
Mundlos und Zschäpe halte. S. steht unter anderem in Verdacht,
Gelder für die drei Abgetauchten organisiert und diesen zugespielt zu
haben.

Carsten S. hat eigenen Angaben zufolge der Neonazi-Szene Ende
2000 den Rücken gekehrt. Er nahm im Herbst 2003 ein Studium in
Düsseldorf auf und engagierte sich im sozialen Bereich. In der Ausgabe
Juli/August 2004 der alternativen Düsseldorfer Stadtzeitung TERZ (siehe
www.terz.org) berichteten Düsseldorfer AntifaschistInnen im Rahmen eines
Beitrages über Neonazi-„Aussteiger“ auch über S., zu dessen
vermeintlichem oder tatsächlichem Ausstieg viele Fragen offen geblieben
waren. Es lagen und liegen AntifaschistInnen jedoch keinerlei Hinweise
vor, dass S. in seiner Düsseldorfer Zeit Kontakte in die
Neonazi-Szene hatte oder noch mit dieser sympathisierte. Aufgrund seiner
Vergangenheit und offener Fragen wurde ihm jedoch eine Mitwirkung in
Organen der Verfassten StudentInnenschaft damals verweigert.

Unsere Fragen:

Hat S. tatsächlich als Kontaktmann zum NSU fungiert? Wenn ja, wie
sah diese Unterstützung konkret aus, wer war noch involviert?

War es S. bekannt oder hatte er Hinweise darauf, wer hinter der
Mord- und Anschlagsserie steckte, die laut vorliegenden Erkenntnissen
mit dem Mord an Enver Simsek am 9. September 2000 in Nürnberg und dem
Bombenanschlag am 19. Januar 2001 in Köln begann? Besteht vielleicht
sogar ein Zusammenhang zwischen diesen Anschlägen und seinem Ausstieg?

Hat S. Informationen oder Hinweise bezüglich der abgetauchten
Neonazis und der Anschläge weitergegeben, um weitere Anschläge zu
verhindern? Wenn ja, wann und an wen?

Lena Hönscheid, Sprecherin der „Antifaschistischen Linken Düsseldorf“:
„Die Öffentlichkeit und insbesondere die Angehörigen und FreundInnen der
Opfer haben ein Recht darauf zu erfahren, was geschehen ist. S.
muss Verantwortung übernehmen für das, was er mit angerichtet oder
aber nicht verhindert hat.“

Für Rückfragen stehen wir Ihnen unter folgender Telefonnummer zur Verfügung: 01578-5640109

Antifaschistische Linke Düsseldorf
c/o Linkes Zentrum
Corneliusstr. 108
40215 Düsseldorf

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