Die extreme Rechte im Kampfsport

Die extreme Rechte im Kampfsport Netzwerke, Events und Akteure An die 600 Neonazis kamen im Oktober 2017 im sauerländischen Kirchhundem (Kreis Olpe) zum sogenannten „Kampf der Nibelungen“ (KdN) zusammen. Dieses konspirativ organisierte neonazistische Kampfsport-Event fand mittlerweile bereits zum fünften Mal in wechselnden Orten in NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen statt.

Kampfsport ist für die extreme Rechte auf verschiedenen Ebenen von Bedeutung. Dabei geht es nicht nur um die Befähigung zur direkten Anwendung körperlicher Gewalt, beispielsweise gegenüber politischen Gegner_innen. „Kampf“, „körperliche Ertüchtigung“ und eine völkisch-rassistische Vorstellung von Gesundheit sind fester Bestandteil extrem rechter Ideologie. Innerhalb der neonazistischen Szene haben sich in den letzten Jahren auch in Deutschland eigene Kampfsport- Marken, Veranstaltungen und Teams herausgebildet. Diese sind Teil eines internationalen Netzwerkes, zu dem wichtige Akteure der militanten europäischen extremen Rechten wie die „CasaPound“-Bewegung in Italien, Teile von „Blood & Honour“ und den „Hammerskins“ sowie extrem rechte Hooligan-Gruppen gehören.

Als wichtiger Motor dieses Netzwerkes gilt der russische Neonazi Denis Nikitin mit seiner Marke „White Rex“, der auch beste Verbindungen nach NRW pflegt. In dem Vortrag des „Antirassistischen Bildungsforums Rheinland“ wird die Entwicklung der neonazistischen Kampfsport-Szene anhand des „Kampfes der Nibelungen“ nachgezeichnet und ein Überblick über relevante Strukturen, Marken und Labels gegeben – mit Fokus auf NRW.

Input – Antifa-Themenabend
Mittwoch, 29. November 2017, 19.30 Uhr
Linkes Zentrum „Hinterhopf“, Corneliusstr. 108, Düsseldorf

 

Kein Schlusstrich! NSU-Prozess: Aktionen zur Urteilsverkündung

Einladung zum Antifa-Café
Dienstag, 19. September 2017 – 20 Uhr – Linkes Zentrum Hinterhof

Kein Schlussstrich! 4 Jahre NSU-Prozess.
Aktionen zur Urteilsverkündung. In München und überall

Der NSU-Prozess in München neigt sich mit großen Schritten dem Ende zu. In den letzten Wochen hat die Generalbundesanwaltschaft am Münchener Oberlandesgericht ihr Plädoyer gegen die Angeklagten gehalten. Und sie hat dabei in ihrer Argumentation störrisch und entgegen aller heutigen Kenntnisse an der widerlegten These vom Neonazi-„Trio“ festgehalten. Dabei ist uns allen klar, dass das NSU-Kerntrio und sein unmittelbares Umfeld auf ein Netzwerk von Gleichgesinnten setzen konnte. Die Oberankläger der Bundesrepublik Deutschland haben im größten Strafprozess der Geschichte der BRD relevante Erkenntnisse zur Vernetzung von Neonazi-Stukturen nachgerade geleugnet und so dafür gesorgt, dass wichtige Fragen offen bleiben. Fragen, die auch nach der Urteilsverkündung in schmerzhafter Weise vor allem die Angehörigen und Überlebenden, die Betroffenen und Verletzten der NSU-Taten weiter werden stellen müssen. Zum Ende des NSU-Prozesses wird damit mehr als deutlich, dass mit einer vollständigen Aufklärung der NSU-Strukturen und ihrer Taten vor Gericht nicht gerechnet werden kann. Ebenso wenig wie in der Politik oder in den Parlamentarischen Untersuchungsausschüssen von Bundestag und Länderparlamenten.

Mit ihrer falschen aber leider wirkunsvollen Erzählung vom monströsen „Terror-Trio“ sollen aber weder Gerichte noch Staatsanwaltschaften durchkommen. Denn mit vielen Menschen aus unterschiedlichsten Zusammenhängen, mit kleinen und großen Bündnissen, Unterstützer*innen-Inis, mit Antifaschist*innen, Antirassist*innen und solidarischen Menschen von hier und dort wollen wir zusammen ein Zeichen dagegen setzen. Auch wenn das Urteil fällt und alle so tun, als sei der Nazi-Terror damit abgeurteilt und erledigt: Es wird keinen Schlussstrich geben!

Der Tag der Urteilsverkündung wird darum vor allem auch ein Tag sein, an dem die Betroffenen, die Überlebenden und Opfer im Vordergrund stehen. Ihnen gilt unsere Unterstützung, Solidarität und Aufmerksamkeit in ihrem mutigen Kampf für eine lückenlose Aufklärung der Taten des NSU. Mit Ihnen gemeinsam werden wir uns am Tag der Urteilsverkündung gegen das vom Staat und seinen Institutionen gewollte Ende einer mehr als lückenhaften Aufklärung der Morde und Anschläge des NSU und seines bis heute bestehenden Netzwerkes stellen. In München und überall.

Gemeinsam mit Vielen planen Initiativen und Bündnisse dazu bereits seit Monaten, wie wir den Tag X2, den Tag der Urteilsverkündung, in diesem Sinne zusammen gestalten können. Teil dieser Vorbereitungen ist auch die „Initiative Keupstraße ist überall“. Ein Gast aus der „Ini Keupstraße“ wird uns heute Abend von den Ideen und den bisherigen Planungen berichten. Dabei ist Platz genug für unsere eigene Initiative, für Busse nach München, für Aktionen hier vor Ort …

Lasst uns gemeinsam Tag X2 gestalten, in München oder hier bei uns – das Antifa Café ist ein guter Treffpunkt, um uns für Ideen, Austausch und konkrete Planungen zusammenzusetzen. Nutzen wir das!

CrimethINC-Vortrag.

19237802_1367538200007953_6367843952273705086_oAM 29.06.2017 veranstaltet die ALD mit weiteren Kooperationspartnern eine Lesung mit dem US-amerikanischen Kolletiv „CrimethINC“ um 19:30 Uhr im Linken Zentrum.

Der Vortrag wird auf Englisch gehalten, alledings wird es eine sog. „Flüsterübersetzung“ geben.

 

Vimeo.

„Resistance in the Trump Era.

How did Trump come to power, and what does that tell us about the times
we are living in? What strategies are effective in countering
increasingly repressive governments and the rise of grassroots nationalism?

Framing Trump’s presidency in a global context, we will explore some of
the approaches to self-organization and self-defense that anarchists and
others are employing in various parts of the United States. Immediately
upon Trump’s election, anarchists set out to disrupt business as usual
in hopes of fracturing the ruling class before the US government could
legitimize even more repressive policies. In the first weeks of Trump’s
presidency, a powerful wave of protest around the United States
temporarily accomplished this goal. Now, as the Trump administration
endeavors to realign itself with the rest of the state machinery while
grassroots fascist organizing gains momentum, resistance movements face
new dangers and new opportunities.

Eine Veranstaltung der Antifaschistische Linke Düsseldorf, Café Bunte Bilder und Raccoones Records in Kooperation mit dem AStA der HSD und der FAU Düsseldorf.“

Die braune Traumfabrik – Propaganda im NS-Film

INPUT – antifaschistischer Themenabend
Mi 31.05.2017 19:30h
Referent: Michael Fehrin (Antirassistisches Bildungsforum Rheinland)
Linkes Zentrum „Hinterhof“, Corneliusstr. 108, Düsseldorf

Die deutsche Filmproduktion war während des NS-Regimes nach der aus Hollywood die zweitgrößte der Welt. Ungefähr 1.100 Spielfilme wurden in den 12 Jahren der NS-Herrschaft gedreht, dazu tausende Dokumentarfilme und Wochenschauen. Wie wurde Propaganda damals transportiert, wie passte sie sich den politischen Gegebenheiten an und welche Wirkung hatte sie?
Mit diesen Fragestellungen wird sich am 31. Mai der Vortrag von Michael Fehrin beschäftigen.

Die braune Traumfabrik – Propaganda im NS-Film weiterlesen

Tribunal „NSU-Komplex auflösen“

nsutribunalVom 17.-21. Mai 2017 findet im Kölner Schauspiel und verschiedenen anderen Orten ein öffentliches Tribunal anlässlich der Morde des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) und dem öffentlichen wie juristischen Umgang damit statt. Im aktuellen Münchener Prozess gegen Mitglieder und einzelne Unterstützer des NSU wird bald eine Urteilsverkündung erwartet.

Bis heute sind wir aber weit von der versprochenen „lückenlosen Aufklärung“ im NSU-Komplex entfernt. Initiativen und Einzelpersonen, die mit den Betroffenen der NSU-Mord- und Anschlagserie solidarisch verbunden sind, entwickelten die Idee eines Tribunals, das diese Leerstelle besetzt. Der NSU-Komplex wird dabei gedacht als ein Kristallisationspunkt strukturellen Rassismus. Das Tribunal ist damit ein Ort der gesellschaftlichen Anklage von Rassismus. Die Berichte der Betroffenen und Angehörigen stehen im Mittelpunkt. Ihre Geschichte gilt es zu hören und zu verstehen.

Angeklagt werden die Akteur*innen des NSU-Komplex mitsamt ihrer institutionellen Einbettung.
Beklagt werden die Opfer rassistischer Gewalt und das entstandene Leid. Eingeklagt wird das Prinzip einer offenen, durch Migration entstandenen Gesellschaft der Vielen.

Das Tribunal ist partizipativ angelegt: Klage, Forderungen und ein Manifest der Zukunft entstehen gemeinsam mit den Teilnehmenden. Neben dem Bühnenprogramm stoßen Workshops Lernprozesse an und geben Möglichkeit zu Vernetzung und Empowerment.

Wann? 17.-21. Mai 2017
Wo? Schauspiel Köln

Webseite: Tribunal „NSU-Komplex auflösen“

Düsseldorfer Wehrhahn-Anschlag Thema auf dem Tribunal

Als einer der wenigen Anschläge auf Migrant_innen galt der Anschlag am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn immer als ein potentiell von Neonazis begangener. Und dies, obwohl die Ermittlungsbehörden alles daran setzten, auch andere Tätergruppen in’s Gespräch zu bringen oder gar das Umfeld der Opfer als Täter zu benennen. Doch nicht nur die zahlreichen „Ermittlungspannen“ sondern auch die auffällige Nähe von Mitarbeitern des Verfassungsschutzes zum jetzt präsentierten neonazistischen Alleintäter machen stutzig, zumal nach 16 Jahren die Polizeiarbeit pünktlich zum Ende des NSU-Landtagsuntersuchungsausschusses als abgeschlossen präsentiert wurde.

Wir wollen im Rahmen des Workshops „Der Düsseldorfer Wehrhahn-Anschlag: Alles aufgeklärt?“ auf dem NSU-Tribunal die Faktenlage zum Sprengstoffanschlag beleuchten, in den politischen und geschichtlichen Kontext einsortieren und kritisch das Agieren der staatlichen Behörden hinterfragen.

Wann? Donnerstag, 18. Mai 2017, 11-13 Uhr
Wo? Kulturbunker Mühlheim, Berliner Str. 20, Köln.Mühlheim, Seminarraum

Die braune Traumfabrik – Propaganda im NS-Film

INPUT – antifaschistischer Themenabend in Düsseldorf
Mi, 31.05.2017, 19:30 Uhr
Linkes Zentrum Hinterhof, Corneliusstr. 108, Düsseldorf

Referent: Michael Fehrin (Antirassistisches Bildungsforum Rheinland)

Die deutsche Filmproduktion war während des NS-Regimes nach der aus
Hollywood die zweitgrößte der Welt. Ungefähr 1.100 Spielfilme wurden in
den 12 Jahren der NS-Herrschaft gedreht, dazu tausende Dokumentarfilme
und Wochenschauen. Wie wurde Propaganda damals transportiert, wie passte
sie sich den politischen Gegebenheiten an und welche Wirkung hatte sie?
Mit diesen Fragestellungen wird sich am 31. Mai der Vortrag von Michael
Fehrin beschäftigen.

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Der Graue Wolf legt den Schafspelz ab

INPUT – antifaschistischer Themenabend in Düsseldorf
Mi, 26.04.2017, 20 Uhr, ZAKK

Türkische Faschisten machen in Europa mobil. Seit dem Aufschwung der Politik Erdoğans gewinnen auch die Aktivitäten der Faschisten in Deutschland an Fahrt; neben den „Grauen Wölfen“ haben sich ebenso faschistische türkische Rockergruppen etabliert.

Gefördert werden deren Aktivitäten nicht zuletzt vom türkischen Geheimdienst MIT und den türkischen Konsulaten. Die Bedrohungen von KurdInnen und türkischen Linken nehmen zu. Der Attentäter, der vor zwei Jahren in Paris drei kurdische Aktivistinnen umbrachte, gehörte nicht nur dem türkischen Geheimdienst an, er pflegte auch schon vorher gute Kontakte zu extrem rechten türkischen Vereinen in Deutschland. In der Veranstaltung wird über das Netzwerk der türkischen Faschisten zwischen Kulturvereinen, Konsulaten und Moscheen berichtet.

INPUT – antifaschistischer Themenabend in Düsseldorf existiert seit 2002 und findet in der Regel einmal monatlich statt, zumeist am letzten Mittwoch im Monat im „Zentrum Hinterhof“, hin und wieder auch an anderen Orten. Unregelmäßig werden zusätzliche INPUT-Spezial-Veranstaltungen angeboten. Ankündigungen unter http://linkes-zentrum.de. Aktuelle
INPUT-Veranstalter: Antifaschis­tischer Arbeitskreis (HSD) und AG INPUT, in Kooperation mit dem Antirassistischen Bildungs­forum Rheinland (ABR) und SJD – Die Falken Düsseldorf. Eine Veranstaltung in erweiterter Kooperation mit AKKUSTAN Düsseldorf

Solidarität statt Hetze – Der AfD die Show stehlen!

Wir unterstützen den Aufruf „Solidarität statt Hetze – Der AfD die Show stehlen!“ gegen den AfD Bundesparteitag am 22. und 23. April in Köln.

„Am 22. und 23. April will die AfD ihren Bundesparteitag im Kölner Hotel Maritim abhalten. Der Ort ist nicht zufällig gewählt: Köln ist spätestens seit den sexualisierten Übergriffen an Silvester 2015/16 und deren rassistischer Deutung zum beliebten Schauplatz für völkische Mobilisierungen geworden. Die AfD bietet sich nun, nach dem Scheitern der Pro-Parteien, als politische Klammer für Mob und Elite an – Maritim-Hotels waren bereits in mehreren Städten bewährte Gastgeber der AfD.

Dagegen stellt sich seit Anfang des Jahres auf Initiative des Bündnisses „Köln gegen Rechts“ eine große Kampagne auf: Viele Gruppen bereiten sich darauf vor, der AfD den Bundesparteitag zu vermiesen und sich ihr aktiv entgegen zu stellen. Die AfD ist treibende Kraft im aktuellen gesellschaftlichen Rechtsruck geworden – ob mit Interviews, Talkshow-Auftritten, Äußerungen in sozialen Netzwerken oder Reden bei PEGIDA.

Die AfD versucht, mit ihrer Hetze zu spalten und durch Provokationen die politische Agenda zu bestimmen. Sie ist rassistisch, frauenfeindlich, LSBTI*-feindlich und autoritär. Sie steht für völkischen Nationalismus, neoliberale Wirtschafts- und Sozialpolitik, sie will einen reaktionären Wandel in der Kultur- und Bildungspolitik, leugnet den Klimawandel und will Atomkraft begünstigen. Antisemitische oder auch Holocaust-relativierende Äußerungen sind keine Einzelfälle. Aber es bleibt auch festzustellen: Etablierte und regierende Parteien haben der AfD, z.B. mit rigiden Asylrechtsbeschränkungen, Steilvorlagen geliefert.

Die AfD – keine Partei wie jede andere!

Björn Höcke ist nicht der einzige in den Reihen der AfD, der mehr als „nur“ rechtspopulistische Propaganda will, sondern bereit ist, eine neue faschistische Bewegung aufzubauen. Die Hetze der Partei ist verantwortlich für brennende Flüchtlingsunterkünfte. Gauland, Meuthen, Pretzell und Petry wissen, was sie tun.

Deswegen ist es wichtig, dagegen klar, öffentlich und massenhaft Position zu beziehen. Die AfD zu bekämpfen heißt: ÜBER sie zu reden – nicht MIT ihr. Und es heißt, ihr konsequent den Raum für ihre menschenverachtende Propaganda zu nehmen. Jeder Einzug in ein Parlament, jeder öffentliche Auftritt dient ihrer weiteren Etablierung und Legitimierung.

Blockieren – laut sein – kreativ sein!

Am 22. April wird es kein Durchkommen für die AfD geben! Wir rufen zu massenhaften kreativen Blockaden gegen den Parteitag auf. Unsere Inhalte werden wir auch in einer großen antirassistischen und antifaschistischen Demonstration auf die Straße tragen.

Wir rufen bundesweit dazu auf, sich in vielfältiger und phantasievoller Weise an den Aktionen, auch schon im Vorfeld des 22. April, zu beteiligen: Solidarität statt Hetze!“

Der Düsseldorfer Wehrhahn-Anschlag: Alles aufgeklärt?

Der Düsseldorfer Wehrhahn-Anschlag: Alles aufgeklärt? Versuch einer Zwischenbilanz fünf Wochen nach der Festnahme des mutmaßlichen Täters

Informations- und Diskussionsveranstaltung

Am 1. Februar 2017 präsentierten Polizei und Staatsanwaltschaft der
Öffentlichkeit nach über 16 Jahren einen „Alleintäter“, der für den
Sprengstoffanschlag am 27. Juli 2000 auf eine Gruppe aus osteuropäischen
Ländern zugewanderter Menschen verantwortlich sein soll. Zwar gibt es
bisher keine Beweise für seine Täterschaft, kein Geständnis und auch
keine Augenzeug_innen, Ermittlungs- und Anklagebehörden sind sich aber
sicher, „den Richtigen“ dingfest gemacht zu haben und mittels einer
„geschlossenen Indizienkette“ im anstehenden Strafprozess eine
Verurteilung wegen zwölffachen Mordversuchs bewirken zu können.

Aufgrund von Absprachen zwischen der Ermittlungskommission und
Staatsanwaltschaft auf der einen und dem Parlamentarischen
NSU-Untersuchungsausschuss (PUA) NRW auf der anderen Seite, bis zur
Festnahme des mutmaßlichen Täters zu warten, bevor im PUA das Thema
Wehrhahn-Anschlag auf ein „mögliches Fehlverhalten“ von Behörden,
Ministerien und anderen Verantwortlichen untersucht wird, wurde der
Wehrhahn-Anschlag erst im Februar 2017 in zwei PUA-Sitzungen behandelt.
Viele Fragen blieben hierbei un- bzw. unzureichend beantwortet oder
wurden erst gar nicht gestellt.

Die Podiumsveranstaltung am 8. März 2017 möchte sich an einer
Bestandsaufnahme des Themenkomplexes Wehrhahn-Anschlag versuchen. Wie
wurde und wird mit den Opfern des Anschlags umgegangen? Wurden
möglicherweise Fehler bei den Ermittlungen gemacht und hätte der
Anschlag eventuell sogar schon deutlich früher aufgeklärt werden können?
Wie ist die These von einem „Alleintäter“ zu werten und vor welchen
Hintergrund wurde die Tat verübt? Was ist über die Rolle des
Verfassungsschutzes bekannt? Und hat der PUA NRW seinen
Untersuchungsauftrag bezüglich des Wehrhahn-Anschlags erfüllt?

Mit:

  • Jan Schedler (Sozialwissenschaftler Ruhr-Universität Bochum, Sachverständiger für den NSU-Untersuchungsausschuss NRW zum Thema Rechtsterrorismus)
  • Jürgen Peters (Freier Journalist und Bildungsreferent des Antirassistischen Bildungsforums Rheinland)
  • NSU-Watch NRW
  • Opferberatung Rheinland (angefragt)

Moderation: Sabine Reimann

Veranstalter_innen: Kulturzentrum zakk und Antirassistisches Bildungsforum Rheinland, in Kooperation mit dem Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus und Neonazismus (FORENA) der Hochschule Düsseldorf, dem AStA der Hochschule Düsseldorf, der Antifaschistischen Linken Düsseldorf und I Furiosi.

Mittwoch, 8. März 2017, 20 Uhr, Kulturzentrum zakk, Fichtenstr. 40, Düsseldorf

Welche Rolle spielte der VS NRW und sein V-Mann „Andre M.“ im Zusammenhang mit dem Wehrhahn-Anschlag?

V-Mann  Andre Stefan Minini, noch 2015 mit Blood & Honour Tattoo
V-Mann Andre Stefan Minini, noch 2015 mit Blood & Honour Tattoo

Antifaschistische Linke Düsseldorf und Antifa-AG Düsseldorf, c/o Zentrum
Hinterhof, Corneliusstr. 108, Düsseldorf

PRESSEMITTEILUNG vom 12. Februar 2017

Welche Rolle spielte der VS NRW und sein V-Mann „Andre M.“ im Zusammenhang mit dem Wehrhahn-Anschlag?

Der zum Zeitpunkt des Anschlags 22-jährige Andre Stefan Minini („Andre M.“), Ende der 90er/Anfang der 00er offenbar V-Mann des Verfassungsschutzes des Landes NRW, war eng mit dem mutmaßlichen Wehrhahn-Attentäter Ralf Spies verbunden und temporär auch für dessen Security-Dienst tätig. Minini gehörte zu diesem Zeitpunkt dem erweiterten Kreis der militant-neonazistischen „Kameradschaft Düsseldorf“ um Sven Skoda an.

Düsseldorfer Antifaschist*innen ist bekannt, dass Minini an diversen Aktionen der „Kameradschaft Düsseldorf“ beteiligt war, zum Beispiel versuchte er vergeblich, im April 2000 zusammen mit 17 anderen Neonazis eine Diskussionsveranstaltung mit Jan-Philipp Reemtsma zum Thema „Bilder einer Ausstellung. Diskussion zur Rezeption der umstrittenen Ausstellung ‚Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-44′“ in der Düsseldorfer Johanneskirche zu stören bzw. zu verhindern. Dies konnte von Antifaschist*innen unterbunden werden.[1] Anschließend wurden die Neonazis von der Polizei kontrolliert.

Minini war darüber hinaus auch in der Düsseldorfer Fußballfanszene als Neonazi bekannt. (Nicht nur) aufgrund seines „Blood & Honour“-Tattoos über dem linken Ohr fielen er und seine Neonazi-Freunde, zu denen auch der temporäre „Nationale Infotelefon“-Betreiber Marco Schirmer zählte, im damaligen Rheinstadion als Neonazis auf. Mit seiner Tätowierung nahm Minini positiv Bezug auf das militant-neonazistische Netzwerk „Blood & Honour“, dessen deutsche „Division“ zwei Monate nach dem Wehrhahn-Anschlag verboten wurde.

Erst Anfang 2012 sah der Verfassungsschutz sich genötigt, den Leiter der nach der Selbstenttarnung des NSU zeitweilig reaktivierten „EK Acker“ darüber zu informieren, dass man im unmittelbaren Umfeld von Spies einen V-Mann gehabt habe, der aber keine Angaben zum Anschlag habe machen können.

„Nicht nur der Polizeiliche Staatsschutz hat 2000 mehr als schlampig ermittelt – Stichwort: erste Hausdurchsuchung bei Spies – und die ‚EK Acker‘ offenbar nicht immer gründlich recherchiert – Stichwort: der EK offenbar unbekannte Sprengstoffausbildung von Spies“, so Thomas Bose, Sprecher der „Antifaschistischen Linken Düsseldorf“: „Auch der Inlandsgeheimdienst hatte wieder einmal seine Finger im Spiel – und dies sehr unrühmlich“.

Judith Kipp von der Antifa-AG Düsseldorf: „Die Frage drängt sich auf, welche Rolle der V-Mann Minini im Zusammenhang mit dem Anschlag gespielt hat. Und ob es tatsächlich Zufall war, dass sich ein Mitarbeiter des VS ausgerechnet zum Tatzeitpunkt – 27. Juli 2000, kurz nach 15 Uhr – mit seinem angeblich bereits Monate zuvor ‚abgeschalteten‘ V-Mann getroffen hat. Lagen dem VS tatsächlich keine Hinweise auf den Anschlag vor? Oder gibt es Gründe zu der Annahme, dass V-Mann Minini ihm bekannte Hinweise
auf den Täter nicht weitergegeben hat? Es wäre Aufgabe des Parlamentarischen NSU-Untersuchungsausschusses in NRW oder eines aufgrund des baldigen Endes der Legislaturperiode neu einzurichtenden Untersuchungsausschusses zum Komplex Wehrhahn-Anschlag, Antworten auf
diese Fragen zu finden.“

[1]: News von der „Kameradschaft Düsseldorf“, aus http://www.terz.org/texte/texte_05_00/antifa.htm

siehe auch: http://nrw.nsu-watch.info/verfassungsschutz-skandal-von-ungeheurer-dimension/